Harald Klumpp hat Bauingenieurswesen am heutigen KIT in Karlsruhe studiert und dort seine Begeisterung für den Hochwasserschutz entdeckt. Schon kurz nach seinem Start beim Integrierten Rheinprogramm war er im Einsatz beim Oder-Hochwasser 1997. Heute sorgt er mit einem bunten Team aus Expertinnen und Experten am Rhein für mehr Hochwasserschutz.
Angenommen, in Baden-Württemberg droht ein Hochwasser: Was genau passiert bei einem Einsatz – also wenn der Rückhalteraum aktiv geflutet wird – und wie sieht deine Rolle als Leiter des Integrierten Rheinprogramms dabei aus?
Zum Glück haben wir mit Hochwassereinsätzen Erfahrung, denn hier müssen alle Rädchen ineinandergreifen: Bei anlaufendem Hochwasser liefert uns die Hochwasservorhersagezentrale (HVZ) des Landes Baden-Württemberg die notwendigen Daten. Werden kritische Abflusswerte erreicht, werden zunächst die Steuerzentralen besetzt, die Räume kontrolliert und großräumig abgesperrt. Dabei arbeiten unsere Teams eng mit den Gemeinden, Feuerwehren und der Polizei zusammen. Die Rückhalteräume werden geflutet, sobald die Einsatzkriterien überschritten sind. Während der Rückhaltung führt die örtliche Feuerwehr Dammkontrollen durch. Zusätzlich werden unter anderem Pumpwerke, Schutzbrunnen und Drainagegräben eingesetzt. Das sorgt dafür, dass Grundwasseranstiege in den angrenzenden Ortslagen durch den Betrieb der Rückhalteräume verhindert werden. Nach dem Hochwassereinsatz führen wir schließlich die nötigen Aufräumarbeiten durch.
Meine Rolle ist es, den Einsatz mehrerer unserer Hochwasserrückhalteräume zu koordinieren. Dabei stimmen wir uns eng mit den französischen Kolleginnen und Kollegen und der Hochwasservorhersagezentrale in Karlsruhe ab. Ein Hochwassereinsatz am Rhein erfordert, dass wir grenzüberschreitend und schnell handeln.
Der Klimawandel bringt mehr Extremwetter mit sich. Wie verändert das deine Arbeit und die Bedeutung des Hochwasserschutzes?
In Zeiten des Klimawandels geht uns die Arbeit für den Hochwasserschutz wahrlich nicht aus. Noch haben wir längst nicht alle der 13 Rückhalteräume umgesetzt. Also drängt die Zeit, um den Hochwasserschutz am Rhein weiter zu verbessern. Gleichzeitig bietet die mit unseren Projekten gezielte Renaturierung der Auen am Oberrhein eine riesige Chance für die Natur und die Erholung der Rheinanlieger.
Hast du Tipps für Menschen, die in Flussnähe leben und sich auf Hochwasser vorbereiten möchten?
Hochwassergefahrenkarten zeigen, wie hoch Wasser steigen kann, um sich der Gefahr erstmal bewusst zu machen und eigene Vorkehrungen zu treffen. Bei drohendem Hochwasser lohnt ein Blick auf die Hochwasservorhersagen der HVZ, um rechtzeitig handeln zu können. Beim Einsatz unserer Rückhalteräume ist es aber auch wichtig, dem Wild Rückzugsmöglichkeiten jenseits der Dämme zu geben. Hierzu erfolgen großräumige Absperrungen, die es zum Schutz der Tiere auch zu respektieren gilt.